In der Goldschmiede: Einen Ring selber schmieden

Wool and Good Company

Der Untertitel dieser Website lautet „Ein Blog über Stricken, Textiles und andere schöne Dinge“. Bisher habe ich mich mit Themen rund um Stricken und Wolle beschäftigt. Heute ist zur Abwechslung mal etwas anderes Schönes an der Reihe: Schmuck. Und zwar selbst geschmiedet.

Zu meinem letzten Geburtstag habe ich eines der liebenswertesten Geschenke ever bekommen. Und das, obwohl ich dafür einige Stunden arbeiten musste. Petra betreibt neben ihrem Job eine kleine Goldschmiede-Werkstatt. Sie hat mich dorthin an einem verregneten Sonntag eingeladen. Überraschung: Ich sollte mein Geburtstagsgeschenk selbst herstellen, d.h. ich durfte mir einen silbernen Ring entwerfen und schmieden. Unter ihrer fachfraulichen Schritt-für-Schritt-Anleitung habe ich einen ganzen Nachmittag lang gebogen, gehämmert, gesägt, gefeilt, gelötet, geschliffen und poliert.

 

GoldschmiedeAuf dem Foto oben bekommt mein neuer Ring den letzten Schliff. Die Kanten werden geglättet, damit sie schön glänzen. Unglaublich, was in einem so kleinen Teil für eine Detail-Arbeit steckt.

Das Ganze hat mir einen Riesenspaß gemacht. Und ich finde das Ergebnis kann sich sehen lassen ;-). Ich werde jedes Mal sehr froh sein, wenn ich den Ring trage, DIY rules!

Und hier sind noch einige Bilder von Petras Arbeiten. Leider hat sie keine Webseite, auf die ich verlinken kann. Sollte die eine oder der andere Interesse haben, könnt ihr mir einfach eine Mail schicken, ich stelle gerne den Kontakt her.

 

 

 

 

Saar Alpaka: Einfach einen Gang runter schalten

Alpaka-Fohlen

Auf meinen Touren im Saarbrücker Naherholungsgebiet Almet bin ich schon oft an Saar Alpaka vorbei geradelt. Da ich als Bloggerin professionell neugierig sein darf, habe ich nachgefragt, ob ich bei der jährlichen Schur dabei sein darf, um ein paar Fotos zu machen.

Christiane Groß und Rainer Frenkel betreiben Saar Alpaka seit 2009. Angeschlossen ist ein kleiner aber feiner Hofladen, in dem man viele Produkte, vom Garn bis zum Pullover, aus Alpakawolle kaufen kann.

Im Mai war es dann so weit. 47 Alpakas wurden in zwei Tagen geschoren. Zugegeben, das Scheren ist nicht für alle Tiere völlig stressfrei, aber es ist unbedingt notwendig. Das Fell ist extrem warm. Dafür sind die Inkas verantwortlich, diese züchteten das Alpaka schon vor Jahrtausenden wegen ihres weichen, warmen Fells.

Die meisten Tiere, wie hier die Stute Tinkerbell, haben die Schur gelassen ertragen.

Thor Saar-Alpaka - Foto Sabine Frisch

Für Thor ein wichtiger Tag: Die erste Schur und danach Abschied nehmen von der Mutter und der Stutenweide. Ab sofort behauptet der kleine Hengst sich auf der Männerwiese.

Dieses Jahr war es im Mai bereits recht heiß und die Tiere schienen sehr glücklich, das warme Fell endlich los zu sein. Mit der neuen Frisur war erst einmal entspanntes Grasen auf der sonnigen Weide angesagt.

Saar-Alpaka: Foto Sabine Frisch

Während die geschorenen Alpakas relaxen, geht für Christiane und Rainer geht die Arbeit mit den Vliesen weiter, denn diese werden nun weiter gereinigt. Grashalme und gröbere Unreinheiten, die nicht schon vor dem Scheren herausgepustet wurden, werden beseitigt.

Die Proben der Alpakafasern werden vorher in ein Labor geschickt, um die Mikronzahl und den Komfortfaktor zu bestimmen. Anschließend überlegt Christiane, welche Vliese zusammen versponnen werden. Bei der Entscheidung spielen sowohl Farbe als auch die Feinheit des Vlieses eine Rolle. Manchmal sind es drei oder vier Vliese, die zusammenpassen, manchmal wird auch nur das Vlies eines einzelnen Tieres weiterverarbeitet.

Das Vlies wird in eine Wollmühle in Süddeutschland geschickt, die auch kleinere Mengen annimmt. Dort wird das Vlies gewaschen, kardiert und zu Garn gesponnen.

Zurück kommt es naturbelassen (ohne Superwash-Ausrüstung und ungefärbt) auf großen Konen, gesponnen in einer DK-Stärke und in den Qualitäten Royal-Alpaka (Mikronzahl unter 19) und Baby-Alpaka (unter 23 Mikron). Christiane wickelt diese auf 50 gr Knäuel. Auf der Banderole stehen die Namen der Lieferanten: Angelo, Inti, Casanova, Leo, Rosi, Estella … eine besonders schöne Idee von Saar Alpaka, so weiß man ganz genau, welches Tier, das gerade draußen auf der Wiese grast, für das wunderbare Garn verantwortlich ist. Und vielleicht kann man sich mit einem Leckerli bei ihm für das tolle Garn bedanken. 😉

Die 47 Saar-Alpakas haben 2017 eine Ernte von rund 55 kg Vlies erster Qualität geliefert. Spitzenreiter war in diesem der Hengst Leo, der 1,8 kg Vlies erster Qualität lieferte.

Der weiße Alpaka-Hengst Angelo landete in Sachen Vlies auf Platz 2 mit immerhin 1,2 kg Vlies in erster Qualität.

Crimp - Alpaka Vlies. Foto: Sabine Frisch

Hier im Bild ist Angelos Vlies zu sehen, besonders deutlich der sogenannte Crimp, die Kräuselung der Faser, die von einer besonders hohen Qualität zeugt.

Nicht das komplette Vlies wird von der Wollmühle versponnen. Christiane und Rainer haben jedes Jahr Nachfragen von Handspinnern. Diese reservieren die Vliese bestimmter Tiere bereits im Voraus. Wer im Oktober Garn von Hengst Casanova haben will, muss sich beeilen. Er ist das einzige graue Tier auf der Farm und sein Vlies erfreut sich großer Nachfrage. Ein großer Teil seines Garns ist bereits reserviert.

TATAMIAS Umstyling
Alpaka Estella: Foto Sabine Frisch

Tatamia vor dem Umstyling mit Retro-Pilzkopf.

Alpaka Estella: Foto Sabine Frisch

Nach dem Umstyling: Tatamia mit  Short-Pony für einen freshen Sommerlook.

Nachhaltigkeit im SAAR-Alpaka Hofladen

Christiane lässt auch eine Sockenwolle spinnen. Diese hat einen Anteil von 20 % Bambusfaser mehr Widerstandsfähigkeit. Bambus statt Nylon und ohne Super-Wash-Ausrüstung, eine nachhaltige Entscheidung. Ich darf mir zwei Knäuel mitnehmen und entwerfe im Geiste bereits ein Muster für ein rustikales Paar Socken, das ich demnächst mit Sicherheit anschlage.

Saar Alpaka verarbeitet nicht nur die 1. Qualität. Aus der 2. Qualität werden warme Sitzauflagen gewebt. Außerdem verwendet man das Vlies für eine warme Füllung für Steppdecken. Und es wird darauf Seife hergestellt. Das Ziel des Saar-Alpaka-Teams ist es, das komplette Vlies zu verwerten.

Christiane und Rainer haben oft Schulklassen auf dem Hof. Die beiden erklären den Kindern jeden Schritt vom Alpaka zum Pulli. „Damit die Kids mal verstehen, was hinter ihrem Kleidungsstück steckt“, meint Christiane. Dass es eigentlich nicht möglich ist, einen gestrickten Alpakapulli für 19,90 Euro bei Primark oder H&M zu kaufen. Sondern, dass eigentlich ein längerer, langsamer, aber schöner Prozess dahintersteckt.

Wer Interesse an der Wolle von Angelo, Estella, Casanova, Leo und den andern Saar-Alpakas hat, kann Christiane und Rainer über deren Webseite Saar-Alpaka kontaktieren. Wer in der Gegend ist, einfach im Hofladen vorbeischauen. Empfehle ich dringend.

[Anfang Juli war ich erneut bei Christiane und Rainer, um noch eben schnell ein paar Fotos zu machen und ein paar Fragen zu stellen, die die Grundlage für diesen Beitrag sind. Tja, schnell geht hier gar nichts, denn die Ruhe der Alpakas und Lamas auf der Weide übertragen sich sofort auf mein Gemüt. Ich merke, wie ich völlig nebenbei einen Gang runterschalte. Dazu muss ich normalerweise eine Stunde Yoga machen. Nachdem Christiane meine Fragen beantwortet hat, bot sie mir an, mich doch mit dem Liegestuhl auf die Wiese zu setzen. Mit Leckerlis für die Tiere und um vielleicht ein paar Fotos zu machen. Vier Stunden später war ich immer noch da. Einmal hier will man nicht mehr weg. Jedenfalls nicht an einem warmen Julisonntag. „Passiert öfter“, meint Rainer trocken. Denk ich mir: Ein Tag am Strand ist nichts dagegen. Wer hier in der Gegend ist und einmal die therapeutisch, entspannende Wirkung der Alpakas und Lamas ausprobieren möchte, dem sei eine Wanderung mit diesen empfohlen.]

Bei meine zweiten Besuch gabe es Alpaka Nachwuchs. Teresita 3 Tage alt.

Und Athos, eines der 3 neugeborenen Musketiere bei Saar Alpaka.

Kuschel-Alpakas zum Mitnehmen.

Ach ja, Lamas gibt es hier auch – und die sind besonders neugierig.  Melody (rechts) steht auf Selfies.

Quellen und weiterführende Links:

Website von Saar Alpaka 

Facebookseite von Saar Alpaka

 

New Lanark Mill – Soziale Utopie und Wolle

Wolle aus New Lanark

Ich scheine im ersten Halbjahr 2017 auf spontane Trips nach Schottland abonniert zu sein. Nachdem ich im März in Edinburgh war, um das Edinyarnfest zu besuchen (die Fotos seht Ihr hier), stand im Mai habe ich im Mai meine Freundin Marilena nach Glasgow begleitet. Sie tanzt Swing und Shag – und die Community ist offensichtlich genauso nerdig wie wir StrickerInnen. Auch hier wird kein Weg gescheut, um Gleichgesinnte auf Festivals zu treffen. Anlass der Reise war daher in erster Linie das Glasgow Shag Festival. Während also Marilena Shag tanzte, überlegte ich mir ein wolliges Begleitprogramm.

New Lanark ist eine industrielle Mustersiedlung, ungefähr eine Stunde von Glasgow entfernt und gut mit dem Zug zu erreichen. Sie ist seit 2001 zu den UNESCO Weltkulturerbe. Meine Motivation zur Besichtigung war natürlich doppelt so groß, weil man dort live erleben kann, wie Garn gesponnen wird. Garn-Shopping inklusive.

New Lanark Mill - Foto Sabine Frisch

New Lanark: Eine soziale Utopie wird Wirklichkeit

New Lanark Mill ist eine ehemalige Baumwollspinnerei, die in den Jahren 1800 bis 1825 dem Sozialreformer Robert Owen gehörte. Er setzte dort seine sozialen Utopien für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen in die Wirklichkeit um.

New Lanark liegt in einem wunderschönen Tal am River Clyde und ist definitiv als Ausflugsziel für die ganze Familie geeignet. In New Lanark wird besonders der Alltag der Arbeiterkinder des 19. Jahrhunderts eindringlich geschildert. Bevor Owen seine Reformen in der Baumwollspinnerei einführte, hatten diese oft einen langen Arbeitstag. Sie wurden geschlagen und angeschrien.

River Clyde New Lanark - Foto Sabine Frisch

Robert Owen erließ ein Arbeitsverbot für Kinder unter 10 Jahren (nach heutigen westlichen Standards immer noch undenkbar). Er eröffnete eine Schule, in der körperliche Strafen verboten waren. Die Arbeiterkinder wurden in Fächern wie Kunst und Musik unterrichtet. Für Kinder ab 18 Monaten gab es eine Kinderkrippe, d. h. die Mütter konnten bald wieder arbeiten gehen.

Owen reduzierte die Arbeitszeit der Kinder über 10 Jahren und sorgte somit dafür, dass die Kinder und Erwachsene, die in der Spinnerei arbeiteten, nach der Arbeit zur Schule gehen konnten. Generell reduzierte er die Arbeitszeit seiner Arbeiter auf 10,5 Stunden, üblich waren zur damaligen Zeit 14 Stunden und mehr.

Robert Owen gilt als Gründer der Genossenschaftsbewegung. Er kaufte hochwertige Lebensmittel en gros und konnte diese so zu besseren Preisen an seine Arbeiter verkaufen. Außerdem baute er Häuser, die er günstig vermietete. Damit sanken die Lebenshaltungskosten für die Arbeiter. Trotz Anfangsschwierigkeiten und Widerständen schaffte er es, durch die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, die Motivation der Arbeiter zu steigern und Produktivität der Spinnerei zu erhöhen. Im Jahr 1825 verkaufte er New Lanark, um in den USA mit dem Projekt New Harmony noch einen Schritt weiter zu gehen.

Die Spinnerei in New Lanark wurde 1968 stillgelegt und verfiel. In den 1980er Jahren wurde New Lanark als Museum wieder aufgebaut. Seit 2001 zählt es zu den Weltkulturerben der UNESCO.

Besichtigung der Spinnerei

New Lanark Mill - Bild: Sabine Frisch

Heute wird in der Spinnerei keine Baumwolle mehr gesponnen, sondern das Vlies von Schafen. Und zwar auf einem traditionellen Wagenspinner aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Besichtigung kann man zusehen. New Lanark Wool und Textiles spinnt Aran, Chunky und DK Garne. In der Regel reine Wolle, aber es gibt auch ein weiches Tweedgarn mit Seide.

Garnspulen New Lanark Mill - Foto: Sabine Frisch

Im angegliederten Laden kann man die Wolle gekauft werden. Traditionell hergestellt, wollig weich und preislich sehr fair (ganz im Sinne Robert Owens). Klar, dass ich mir da einige Souvenirs mitnehmen müsste.

Yarn Cones New Lanark - Foto: Sabine Frisch

Quellen und weiterführende Links:


Deutschlandfunkkultur: Ein Kämpfer für soziale Ziele

Wiener Zeitung: Ein philantrophisches Paradies

Webseite New Lanark 

Britannica: Robert Owen (engl.)

Kate Davies Blogpost on New Lanark (engl.)

 

Im Doppelpack: Sneakersocken.

Sneakersocken

Hier war es in letzter Zeit etwas ruhiger. Das liegt einmal daran, dass ich ein paar Tage in Urlaub war. In Schottland. Ehrlich gesagt, hier bin Euch noch einen Blogbeitrag schuldig, ich habe dort u.a. New Lanark besucht, natürlich nicht ohne Wolle zu kaufen. Der Beitrag ist definitiv in meiner Pipeline. Aber erst einmal werde ich umziehen. Und das ist der zweite Grund, warum mein Blog etwas brach liegt. Ich renoviere gerade meine Wohnung, bin also mehr am Streichen, als am Stricken oder Schreiben. Vielleicht ist mir die Herausforderung, aus einem typischen Altbau-Bad-Schlauch von 4,40 m x 1,10 m einen Duschtempel zu machen, einen separaten Beitrag im Blog wert. Mal sehen, wie das Ergebnis ist. Auf Instagram werde ich in jedem Fall Stories dazu machen.

Ein bisschen habe ich allerdings doch gestrickt, Sneakersocken nämlich. Zwei kleine, aber feine Projekte. Und die will ich Euch heute hier zeigen.

Daisiez: Sneakersocken im Vintagelook

Sneakersocken wirklich ruck zuck fertig. Und man braucht knapp 40 g Sockenwolle. Schaut mal nach, ob ihr noch einen passenden Rest habt. Die Sneakersocken Daisiez sind von der Zehenspitze an gestrickt, mit einem recht einfach zu merkenden Ajourmuster. Die Ferse ist mit verkürzten Reihen gearbeitet und ist hinten etwas höher. Ein Effekt, den ich ebenfalls mit verkürzten Reihen erreiche. Der Vorteil: Die Socken rutschen in den Sneakern nicht. Ein Picotsaum bildet den Abschluss. Ich habe meinen genäht, weil es mir nichts ausmacht, am Ende zur Nadel zu greifen. Aber du kannst ihn genauso gut anstricken.

Daisiez – luftige Spitzensöcken im Vintagelook mit Picotsaum.

LilakS: In form mit MESH

Das zweite Paar Sneakersocken heißt Lilaks und ist in der gleichen Art gearbeitet, d.h. angefangen wird bei der kurzen Spitze. Es ist in einem sportlichen Mesh-Muster gearbeitet, das super einfach zu stricken ist. Auch bei Lilaks ist die Ferse für eine bessere Passform höher gearbeitet. Ein simpler Kniff, den ich in Zukunft bei solchen Socken immer nutzen werde. Das geht auch mit normalen Bündchen.

Lilaks – Sneakersocken mit sportlichen Mesh- bzw. Netzmuster.

Ich gebe zu, bei den tropischen Temperaturen, die momentan hier in Deutschland herrschen, werde ich selbst diese luftigen Socken nicht tragen, sondern nach Möglichkeit barfuß gehen. Aber ich finde, die Söckchen sind ein absolutes Urlaubsprojekt. Sie nehmen definitiv nicht viel Platz in der Strandtasche weg ;-). Und das Muster ist eingängig, mit ein bisschen Übung kann man die Anleitung zu Hause lassen.

Lilaks oder Daisiez? Mesh oder Ajour? Logischerweisen bin ich der Meinung: im Doppelpack. Die Anleitung ist ab sofort auf Ravelry zu haben. Momentan leider nur in englischer Sprache. Ich hoffe, ich schaffe es, zeitnah nach dem Umzug die deutsche Anleitung zu liefern. Dann stricke ich selbst noch ein Paar.

Übrigens hat Rebekka aka @queenofwhatever Lilaks gestrickt und in Ihrem Blog Queen’s Handmade darüber geschrieben. Danke dafür!

The Little Grey Sheep – ein neues Lieblingsgarn.

Little Grey Sheep

Vielleicht habt Ihr auf Instagram oder Ravelry schon Blozzom entdeckt. Eine Mütze passende und Handschuhe, gestrickt mit der superweichen Wolle von The Little Grey Sheep. Erstanden habe ich das Garn auf dem Wollfest Hamburg im letzten Jahr. Eine echte Entdeckung. Ich kann euch versichern: Die Stein Fine Wool zu verstricken ist ein wahrer Genuss. Grund genug für ein bisschen Recherche über die Wolle, die von einer ganz speziellen Herde Schafe aus England kommt.

Emma Boyles ist die Besitzerin der Well Manor Farm in Hampshire. Sie kaufte das Anwesen mit ihrem Mann im Jahr 2004. Damit kam die Verpflichtung zur Landschaftspflege. Eine kleine Herde kleiner, grauer Gotland Schafe wurde gekauft. Da Stricken, Weben und Spinnen in Emmas Familie Tradition hat, dauerte es nicht lange, bis sie beschloss, die Wolle ihrer Schafe für eigene Zwecke zu verarbeiten.

Emma Boyles und Team

Heute gibt es zwei Herden mit insgesamt 400 Mutterschafen, genauer gesagt 200 Gotlandschafe und 200 Stein Fine Schafe. Nie gehört? Ich vorher auch nicht. Es handelt sich um eine eigene Zucht, mehr dazu erfahrt Ihr gleich von Emma selbst.

Emma legt bei der Haltung der Schafe und Produktion des Garns sehr viel Wert auf jeden Schritt im Prozess. Eine zentrale Rolle spielt dabei Susie, die Schäferin auf der Well Manor Farm. Sie verfügt über langjährige Erfahrung und kümmert sich seit 2006 um die Herde. Susie schert die Schafe selbst.

The Little Grey Sheep

Susie, die Schäferin der Well Manor Farm.

Für die Weiterverarbeitung geht das Vlies auf Reisen. Emma bevorzugt Produzenten und Handwerker, die sich der britischen Textiltradition verpflichtet fühlen. Das ist ihr Markenzeichen. Der nächste, wichtige Schritt, nach dem Scheren ist das Waschen der Wolle. Dazu reist die Wolle der Little Grey Sheep nach Yorkshire zu einer der beiden letzten verbleibenden Wollwäschereien in Großbritannien.

Einmal gereinigt wird die Wolle nach Devon zur Spinnerei von John Arbon geschickt. Emmas Wahl fiel auf John Arbon, weil er ein Perfektionist sei und das Bestmögliche aus ihrer Faser herausholen könne. Bei John Arbon Textiles wird die Wolle gesponnen und verzwirnt. Zurück in Hampshire bekommt das Garn den letzten Schliff: Emma färbt es selbst von Hand.

1. Emma, die super softe Stein Fine WOlle hat mich begeistert: Was genau steckt dahinter?

Unsere Gotlandschafe wurden zunächst mit Shetland Schafen gekreuzt. Ergebnis war eine Wolle mit einem feineren Mikronwert und mehr Glanz. Im nächsten Step kreuzten wir mit Merinos, deren Wolle einen Mikronwert unter 19 hat, um ein noch weicheres Vlies zu bekommen. Den Name Stein Fine Wool haben wir uns schützen lassen. Heute haben wir eine wunderbare, geschlossene Herde mit glänzenden, sehr feinen Wollschafen.

2. Auf Eurer Website habe ich gelesen, dass Susie Eure Schafe im Winter schert. Ist das nicht eher ungewöhnlich?

Ja, wir scheren die Herde zwischen Weihnachten und Neujahr. Das ist genau der Moment, wenn das Fell die besten Wärmeeigenschaften hat und voll wunderbarerem Wollwachs ist. Das Fell gesund und glänzend. Es stimmt, normalerweise werden die Schafe im Sommer geschoren. Allerdings wächst bereits dann bereits das neue Fell, das bedeutet, dass an das alte Fell wird kein Wollwachs mehr abgeben wird. Dadurch wird die Faser brüchig. Keine Angst, wenn wir die Schafe geschoren haben, müssen sie nicht frieren. Wir machen es ihnen im Stall gemütlich. Dort bleiben die Schafe dann bis April. Nachdem die Lämmer geboren sind, kommen sie wieder auf die Weiden.

The little grey sheep

Eingekuschelt im Stall: Die „Little Grey Sheep“.

3. Bei The Little Grey Sheep GIBT Es viele tolle Farben, ich finde Du triffst immer genau den Ton. Erzählst Du mir etwas über deinen Färbeprozess?

Das Färben habe ich selbst beigebracht. Ich liebe es, ich komme mir vor wie ein kleines Mädchen in einem Süßwarenladen. Meine Mutter meinte immer, dass ich Kunst studieren soll, aber ich habe mich für Elektronik entschieden. Heute, 30 Jahre später, stelle ich fest: Sie hatte recht. So ist das, Mütter haben immer recht! Ich mag es mit verschiedenen Färbemethoden zu experimentieren, vom Bemalen bis Tauchfärben. Bei The Little Grey Sheep sind wir bestrebt, alles zu perfektionieren. Egal ob es sich um Lammzucht, Wollqualität, unsere Etiketten oder unsere Farbpalette handelt. Das ist unsere Mission.

Stein Fine Sock

Stein Fine Sock.

Danke, Emma, für das Interview, die vielen Information und die Fotos Zu The Little Grey sheep.

Neben der bereits erwähnten Stein Fine Wool, mit der ich meine Blozzom Mütze und Handschuhe gestrickt habe, gibt es bei The Little Grey Sheep noch das glänzende Gotlandgarn in unterschiedlichen Stärken.

Außerdem gibt es ein neues Garn „Hampshire“, das auch eine interessante Entstehungsgeschichte hat. Da Gotland und Stein Fine Wool lange Fasern haben, werden sie als gekämmte Fasern gesponnen. Wolle unter einer Faserlänge von 50 mm wurden auf Well Manor bisher nicht zum Spinnen gebracht wurde. Es blieb Material übrig, das gesammelt wurde. Schäferin Susie schert außerdem auch die Herden von kleineren Höfen in der Umgebung. Der Ertrag ist oft nicht sehr groß. Daher lohnt es sich für die Farmer nicht, das Vlies in die Spinnerei zu bringen. Die Farmer begannen, die Wolle nach Well Manor zur bringen, zum Verkauf für Handspinner. Das Team von The Little Grey Sheep hatte irgendwann die Idee, aus all dieser Wolle ein traditionelles, ungekämmtes Streichgarn zu spinnen. Entstanden ist die Qualität Hampshire, die es ebenfalls in verschieden Stärken gibt. Nachhaltig, denn aus Vliesen, die normalerweise weggeworfen werden, wird ein charaktervolles Garn gesponnen.

Hier noch der Link zu The Little Grey Sheep, wenn Ihr nachsehen wollt, was es dort alles gibt. Die Wolle wird in erster Linie direkt vertrieben. Probiert sie auch und lasst mich wissen, wie sie Euch gefallen hat.

Blozzom

Blozzom Beanie – im Fairisle Stil – Anleitung auf Deutsch erhältlich.

Blozzom Mütze und fingerlose Handschuhe haben leicht zu merkendes Farbmuster. Das Bündchen ist mit einem italienischen Maschenanschlag ohne Hilfsfaden gestrickt. Eine links gestrickte Masche im Farbmuster sorgt für ein Körnchen Struktur. Die Anleitungen findet Ihr zum Download auf Ravelry.

The Little Grey Sheep Wool

Blozzom: Fingerlose Handschuhe mit umklappbarem Bund.

Yes! Ab sofort Socken von der Zehenspitze stricken

Socken von der Zehenspitze stricken

Ich habe mir dieses Jahr meine persönlich Strickchallenge gesteckt. Ich werde jeden Monat ein Paar Socken stricken, für mich oder für andere. Entwerfen werde ich sie allerdings selbst und die Anleitung über Ravelry publizieren. Inspiriert hat mich dazu der Box O Sox Kal von Kristin Lehrer aka Voolwine Yarns und Macherin des Yarngasm Podcasts.

Ich habe bisher Socken immer vom Bund zur Ferse gestrickt. So wie es mir vor Jahren beigebracht wurde. Nun wollte ich mal etwas Neues probieren und testen, wie ich mit Socken klarkomme, von der Zehenspitze angefangen werden. Jede Umstellung ist natürlich erst mal fies. Aber nachdem sich nach einigen Versuchen mein Gehirn umprogrammiert hat und ich verstanden habe, was jetzt wo stricktechnisch passiert, bin ich ganz glücklich mit der Variante.

Daffodilzsockz Socken von der Zehenspitze stricken

Socken von der Zehenspitze – VORteile

Aus meiner Sicht gibt es zwei Vorteile, wenn man die Socken von der Zehenspitze anfängt. Erstens, ich kann mit dem Judy’s Magischem Maschenanschlag beginnen, den finde ich einfach fabelhaft. Er erspart mir am Ende das Zusammennähen im Maschenstich. Das mag ich nämlich gar nicht. Zweitens kann ich die Socken am Schaft so lange weiter stricken, wie ich will und wie die Wolle reicht.

Wildkablesockz Socken von der Zehenspitze stricken

Zwei Anleitungen zum Download

Für März und April habe ich zwei Socken gestrickt, die abwechslungsreiche Strukturmuster haben und am besten in uni oder semisolid zur Geltung kommen. Einmal die „WildKableSockz“: Sie haben, wie der Name andeutet, ein wildes Zopfmuster über die Vorderseite. Das zweite Paar heißt zu Ehren der Farbe, die ich gewählt habe und des Monats März, in dem sie angestrickt wurden „DaffodilzSockz“. Sie kombinieren ein Ajour- und Zopfmuster, das ziemlich flott von der Hand geht. Die Rückseite des Schaftes ist bei beiden Socken durchgehend im Rippenmuster gestrickt.

Daffodilzsockz Socken von der Zehenspitze stricken

Beide Anleitungen sind jetzt auch über Ravelry auf Deutsch zu haben. Wenn ihr beide Socken in den Warenkorb legt, bekommt ihr bei Check-Out einen automatisch einen Discount von

Socken von der Zehenspitze stricken

 

 

3 Fragen an: Indie-Dyer Saskia von OVIS ET CETERA

Ovis Et Cetera Texelaar

In meiner Rubrik „Drei Fragen“ möchte ich Euch mit Menschen bekannt machen, deren Arbeit und Produkte ich gut und interessant finde. Heute stelle ich Euch die Indie-Färberin Saskia Maas von OVIS ET CETERA vor. Saskia ist Niederländerin, wohnt in Norddeutschland, ist mit einem Amerikaner verheiratet, ihr Hund ist aus Mexiko, sie hat vier Pferde aus Island und ein Pony aus Shetland. Eine wahre Multikultifamilie ;-).

Ovis Et Cetera

Zwei von fünf Pferden – Hvuiski and Asti sind Teil der Familie.

Unter ihrem Label  OVIS ET CETERA vertreibt Saskia seit Mitte 2016 handgefärbte Wolle. Die Garnstränge, auf die sie ihre Farben aufbringt, sind etwas ganz Besonderes. Was wird sie Euch gleich selbst erzählen.

Ovis Et Cetera - Saskia Maas

Saskia Maas

Saskia und ich haben uns letztes Jahr über Instagram kennengelernt. Eine dieser schönen Social Media-Strick-Bekanntschaften. Sie hat meine Anleitung SockzNo1 mit ihrem Garn probegestrickt. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählte mir vom geplanten Online-Shop für handgefärbte Wolle. Gemeinsam haben wir uns dann ein kleines Projekt überlegt:  Ich würde ein paar Socken entwerfen, Saskia würde die passende Wolle färben, und zwar auf dem nachhaltigen Sockengarn „Kempisch Heideschaap“. Ein Garn aus dem Vlies der Schafe, die über die Heide ziehen und dort grasen. Und die so eine Verbuschung verhindern. Natürlich müssen diese Schafe auch geschoren werden, aber ihr Vlies wird normalerweise nicht versponnen, sondern oft einfach entsorgt.

Die Idee für das Design: ein Paar Socken im Aztekenmuster. Saskia schickte mir eine ganze Farbenpalette voller Ministränge zu, die sie in eigens dafür gefärbt hatte. Und die, untereinander kombiniert, unendliche Möglichkeiten eröffneten, weil sie einfach alle zueinander passten. Ich habe mich mit Begeisterung ans Musterstricken gemacht. Entstanden ist ein Paket aus drei Strängen Wolle plus passender Anleitung, erhältlich in ihrem Shop. Für Sockenstricker(-innen), die Spaß am Kombinieren von Farben und Mustern haben. Daher gibt es im PDF auch extra einen Musterrapport zum Selberausmalen. So kann jeder nach Herzenslust eigene Farbkombis probieren.

Und hier nun meine Fragen an Saskia.

1. erzähl mir von Deinen Garnen: Was Macht sie aus?

Alle meine Garne sind ohne Superwash-Ausrüstung. Das ist mir sehr wichtig. Wolle ist ein wunderbarer Rohstoff. Perfekt, so wie ist. Man braucht sie nicht mit einer chemischen Behandlung zu verändern. Ich färbe insgesamt sechs verschiedene Garnqualitäten, alle komplett natürlich und mit einer besonderen Geschichte. Zwei davon sind zu 100% niederländisch, d.h. jeweils aus dem Vlies einer ganz bestimmten niederländischen Schafsrasse gesponnen, nämlich den Kempischen Heideschafen und den Texelschafen. Ganz cool, finde ich.

Ich habe ingesamt vier Sockengarne. Das eingangs schon erwähnte Kempisch Heideschaap Sock, außerdem mein Texelaar Sock sowie die Qualitäten Herba und Igneae. Die beiden niederländischen Garne werden in Deutschland und England gesponnen. Herba und Igneae beziehe ich aus Südamerika und sind 100 % aus natürlichen Materialien. Statt Nylon ist Schafswolle mit Ramie verzwirnt. Ramie ist eine sehr starke und haltbare Pflanzenfaser, die etwas glänzt.

Ovis Et Cetera - Saskia Maas

Detail des Koru Cardigan nach einem Design von Francoise Danoy, den Saskia mit ihrem Garn Igneae gestrickt hat.

Mein Lace-Garn heißt Quadruple Dutch, eine interessante Mischung aus Wolle von Shetlandschaf, Merino, Alpaka und Blueun du Maine Schaf. Alle Tiere kommen aus niederländischen Herden. Quadruple Dutch ist weich und leicht. Relativ neu im Programm habe ich auch Kempisch Heideschaap in DK, ein echtes Charaktergarn.

2. Farben sind Dein Ding, oder? Deine Ovis ET CETERA Farbpalette ist wunderbar ausbalanciert. was inspiriert Dich?

Danke! Eigentlich alles. Vielleicht ein Mantel, den jemand anhatte, dem ich auf der Straße begegnet bin. Ich mache dann in Gedanken ein Bild und versuche die Farbe auf meinem Garn zu reproduzieren. Auch Pinterest eine gute Quelle für Ideen. Und natürlich Mode.

Ovis Et Cetera Texelaar

Ovis Et Cetera Texelaar Sock

3. Du legst großen Wert auf natürliche und nachhaltige Garne, aber Du färbst nicht mit Pflanzenfarben – ist das nicht ein Widerspruch?

Nein, das denke ich nicht. Ich habe mich sehr bewusst für meine Färbemethode entschieden. Mit Säurefarben verbrauche ich wesentlich weniger Wasser und Energie als mit Pflanzenfarben. Meine Farben enthalten keine Schwermetalle. Außerdem nutze ich meine Farbebäder immer komplett aus. Das Wasser verwende ich mehrmals. Ich bin der Meinung, diese Art zu Färben am umweltschonendsten.

Danke, Saskia für die Beantwortung der Fragen und die Bilder.

Hier der Link zu Saskias schönen Garnen. OVIS ET CETERA Wolle ist ohne Superwash-Ausrüstung. D. h. Eure Strickstücke sind nur für die Handwäsche geeignet. Aber Hand aufs Herz, hat Euer Handgestricktes das nicht verdient?

Wer jetzt Lust hat die AztekSockz zu stricken, findet die Anleitung hier.

AztekSockz - Wool and good Co.

AztekSockz gestrickt in Kempisch Heideschaap von OVIS ET CETERA

h+h Cologne – Inspirationen ohne Ende

GGH Garne

So kann man sein Wochenende auch verbringen. Ich war auf der h+h Cologne und habe mich inspirieren lassen. Von Wolle und Geschichten. Für den Blog habe Euch erstmal ein paar Bilder mitgebracht.

Manos del UruguayHat einfach alles: Wunderschön gefärbt und herrlich weich. Und dazu noch nachhaltig und fair produziert. Will ich haben, dieses Garn von Manos del Uruguay.

H+H Cologne Novita knitsMacht Lust zum Nachstricken. Die Strickjacke habe ich am Stand von Novita entdeckt.

Baa Ram EweJo und Rachel von Baa Ram Ewe zeigten ihr neues Garn Dovestone Natural Chunky, das ab Herbst erhältlich sein wird.

 Madame TricotDarf’s ein bisschen mehr sein? Gestrickter Käse von Schweizer Künstlerin Madame Tricot.

Appletons Crewel WoolAppletons ist Tapesserie Wolle. Ich bin an dem Stand hängen geblieben, weil es unglaublich viele Farben gibt: 423 nämlich. Julia hat das traditionsreiche Familienunternehmen vor vier Jahren übernommen. Über Appleton bin ich das erste mal auf der Webseite von Sweaterspotter Anna Maltz gestolpert: Ihr Schal Diagonapples ist mit dieser Wolle gestrickt.

Rosario4 Meeresfrüchte und Fisch gab es am Stand von Rosario4.

Initiative Handarbeit ModenschauElectric Green auf der Modenschau der Initiative Handarbeit.

Peter und Richard betreiben eine der letzten Spinnereien in Yorkshire :Die West Yorkshire Spinners. Im Bild mit Holly und den Wensley Dale Gems, einem Garn, das zu 100% aus dem Vlies der Wensleydale Schafe gesponnen ist und daher wunderschön glänzt.

Latvian MittensLettische Fäustlinge: Auch so ein Strickvorhaben, dass ich seit langem hege. Die Wolle dazu habe ich schon seit einem Jahr. Das Strickproblem kennt ihr ja, oder?

Schön, dass ihr mir hier Gesellschaft leistet. Wer war auch auf der h+h Cologne und hat drüber gebloggt oder eine Podcast? Schreibt mir gerne den Link in den Kommentar.

 

 

 

 

 

 

Edinburgh Yarn Festival 2017

Eden Cottage Edinburgh Yarn Festival

Wenn man sich auf die Reise zum Edinburgh Yarn Festival macht, merkt schon am Flughafen, dass es sich bei Strickbegeisterten um eine kontaktfreudige Community handelt. Kaum hatte ich am Gate des Luxemburger Flughafens mein Strickzeug rausgezogen, wurde ich angesprochen. Ob ich auch zum Edinburgh Yarn Festival fliegen würde. [Schön, Deine Bekanntschaft gemacht zu haben, Sandra]. In Heathrow am Gate, an dem der direkt Flug nach Edinburgh startete, hatte jede(r) Dritte Stricknadeln in der Hand. Oder ein selbst gestricktes Tuch um den Hals. Ein sicheres Zeichen, wohin die Reise ging.

[Meine Rundstricknadeln aus Metall haben die Sicherheitskontrollen jedes Mal durchlaufen, vermutlich, weil ich sonst nichts Verdächtiges im Handgepäck hatte. Allerdings sind Stricknadeln definitiv nicht erlaubt. Ich habe in Posts auf Instagram gelesen, dass es auch Stricker(innen) gab, die ihre Nadeln abgeben mussten. Wer es trotzdem riskieren will, sollte vielleicht als Plan B einen wattierten, frankierten Umschlag mitnehmen, den man dann an eine beliebige Adresse schicken kann. Dann landen die guten Stricknadeln nicht dem Müll. Und als On-Board-Entertainment stattdessen ein gutes Buch].

Ich hatte kein Vorverkaufsticket für das Edinburgh Yarn Festival, denn ich hatte mich erst recht spät für den Besuch entschieden. Und zu diesem Zeitpunkt gab es aus organisatorischen Gründen keine Tickets im Vorverkauf mehr. Die Veranstalterinnen Mica und Jo hatten allerdings kurz vor meiner Abreise einen Newsletter mit Tipps versendet, wann ich denn am besten am Corn Exchange erscheinen sollte, um langes Anstehen zu vermeiden. Und das hat auch bestens geklappt, 25 Minuten warten und kleine Chats mit Gleichgesinnten in der Schlange, da kommt nur gute Laune auf.

Fotos und Eindrücke, DIe Euch vom Edinburgh Yarn Festival Mitgebracht habe

Gleich zu Anfang der Messe ein Highlight, eine Überdosis an herrlichen Garnen in toller Qualität und unglaublichen Farben. Brooklyn Tweed hatte erstmals einen Stand auf einer Show in Europa. Die zweite überhaupt für Brooklyn Tweed. Jared Flood war selbst da und wurde nicht müde, freundliche Fotos zu machen und sein Buch „Woolens“ zu signieren.Jared Flood BrooklynTweed

BrooklynTweed

Ebenfalls eine große Auswahl an Farben (in softeren Tönen) und Qualitäten gab es am einladenden Stand von Eden Cottage Yarns:Eden Cottage Yarns

Es war wirklich superviel los am Freitag und es wurde auch erst gegen 16 Uhr etwas ruhiger. Entspannter Einkauf ist es was anderes, man musste man schon etwas Geduld mitbringen. Der ein oder andere Stand war am Freitagabend auch leider schon ausverkauft, dafür sorgte ein neuer Besucherrekord. So waren die Stände von Old Maiden Aunt und Skein Queen ziemlich leergeräumt. Dafür hatte Marcin Lorkowski von Martin’s Lab eine große Auswahl von tollen Färbungen und Qualitäten zu bieten.Martin's Lab

Angefasst und gestreichelt wurde natürlich auch sehr viel, klar den Stricker(innen) geht es auch um die Haptik. „Weicher als erwartet ist das Garn“, war der Kommentar einer Besucherin am Stand von Daughter of a Sheperd aka Rachel Atkinson.Daughter of a Sheperd, Rachel Atkinson

Eigentlich wollte ich viel mehr Bilder machen, aber es war den ganzen Nachmittag so viel Trubel, es gab so viel Wolle und anders zu sehen, so viele Leute zu treffen, dass ich gar nicht richtig dazu kam. Gegen Ende habe ich es dann geschafft, das Team von Ysolda mit seinen tollen Shirts für ein schnelles, wenn auch unscharfes Foto in Position zu bringen. Team Ysolda war, wie alle, den ganzen Donnerstag über beschäftigt, den Besuchern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.Ysolda Teag: Create, Live, Love, Resist

Von links nach rechts deutsche Talente am Stand von Walk Collection: Danica Mäder Jully von Wolllabel Nature’s Luxury, die deutschen Strickdesignerinnen Isabel Kraemer und Melanie Berg, die beide mit Workshops in Edinburgh vertreten waren, Cathrin Walk von Label Walk Collection und Naima Hakim, Inhaberin von mylys in Hamburg.Danica Mäder Jully, Isabell Kraemer, Melanie Berg, Cathrin Walk, Naima Hakim

Schön war’s beim Edinburgh Yarn Festival. Einkauft habe ich auch ein bißchen. Was ich mitgebracht habe, zeige ich Euch ein anderes Mal.

Wer von euch war auch dort? Freue mich, wenn ihr mir in den Kommentaren schreibt, wie es Euch gefallen hat, wen ihr getroffen habt und was Ihr Schönes gekauft habt.

 

 

 

Drei Fragen an: WOODS Making Stories

Woods Making Stories - Hanna Lisa Haferkamp und Verena Cohrs

Wer als Stricker oder Strickerin auf Instagram unterwegs ist, ist sind mit Sicherheit schon irgendwann einmal bei den Accounts von Verena (thewoolclub) und Hanna Lisa (hannaontheroad) hängengeblieben. Ich folge den Accounts der beiden Powerfrauen aus Berlin seit circa anderthalb Jahren. Super, was jede für sich in dieser Zeit auf die Beine gestellt hat. Nun arbeiten sie an einem neuen, gemeinsamen Projekt: WOODS Making Stories ist ein vielversprechendes Buch über Wolle und die Menschen, die mit viel Leidenschaft damit arbeiten. Ein spannende Geschichte, die ich von Anfang an verfolgt habe, denn den gesamten Entstehungsprozess kann man auf den Instagram Stories von Verena und Hanna Lisa miterleben. Nun haben mir die Beiden spontan drei Fragen zu ihrem Projekt beantwortet.

1. Wer seid ihr und woher kennt ihr euch?

„Wir, das Team hinter WOODS Making Stories, sind die beiden Berlinerinnen Verena, Strickdesignerin, und Hanna Lisa, Business Coach für Kreativunternehmen. Wir haben uns Anfang 2016 über Instagram kennengelernt und gleich gemerkt, dass wir mit unserer Liebe für Grau, natürliche Materialien und moderne Strickdesigns viel gemeinsam haben. Nach einem ersten persönlichen Treffen beim Stricktreff in unserem LYS Wollen Berlin hatten wir die Idee, zusammen den ersten Berliner Yarn Crawl zu organisieren. Daraus ist dann langsam, aber sicher eine sehr enge und wunderbare Freundschaft und die Zusammenarbeit für WOODS entstanden!“

2. Wie ist entstand die Idee zum dem Buch?

„Wir beobachten beide seit einigen Jahren den Trend zurück zu lokalen Wollmarken und Transparenz im Produktionsprozess von Garnen. Aus unserer Sicht wird dieser vor allem aus den USA von tollen Wollmarken wie Brooklyn Tweed oder Quince & Co. vorangetrieben. Wir wollten diese Transparenz auch im europäischen Wollmarkt schaffen.

Europa hat so eine reiche Wollhistorie und unglaublich viele tolle Wollmarken, die mit alten Schafrassen und kleinen Spinnereien und Färbereien zusammenarbeiten. WOODS ist für uns die Chance, diese Unternehmen ins Rampenlicht zu stellen. Und Indie-Designerinnen, die mit ihren Garnen arbeiten, einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.“

3. was erwartet uns in WOODS Making Stories?

„WOODS beinhaltet 11 moderne, minimalistische Strickanleitungen. Alles von Pullis über ein Strickkleid bis zu Accessoires. WOODS ist aber noch viel mehr. Jede Anleitung wird von einem Profil des Garnunternehmens und einem Profil der Designerin begleitet, weil wir die wunderbaren Menschen in den Mittelpunkt rücken möchten, die es uns ermöglichen, mit zwei Stricknadeln und etwas Wolle so tolle Lieblingsteile herzustellen. Ergänzt wird das Buch von vier Tutorials, die bestimmte Stricktechniken, Tipps und Tricks vorstellen. Außerdem gibt es zwei Interviews mit Karen Templer zu Pullover-Konstruktion und Clare Devine zu Socken-Konstruktion.

WOODS wäre natürlich nicht vollständig ohne einen Hintergrundartikel zum europäischen Wollmarkt. Und weil wir beide gerne über den Tellerrand gucken, haben wir außerdem Megan Elizabeth von Wool Days gebeten, einen Artikel beizusteuern, in dem sie den australischen Markt beleuchtet. Abgerundet wird das Buch mit einem #mymakingstory Artikel von Francoise Danoy sowie einem Feature, in dem wir tolle Beiträge aus der making-stories-Instagram-Community vorstellen (mehr dazu findet ihr auf Instagram: @_makingstories).

Long Story Short: WOODS wird ein modern-minimalistisches Buch für Strickbegeisterte und Wollliebhaber, denen es wichtig ist zu wissen, woher ihre Wolle kommt. Und wie sie ihren nächsten Pulli so stricken können, dass er perfekt passt und lange ein Lieblingsteil bleiben wird.“

Danke an Hanna Lisa und Verena für die Infos. Und herzlichen Glückwunsch! Während ich diesen Beitrag schreibe, haben die Beiden ihr Crowdfunding Ziel erreicht.

Das heißt aber nicht, dass die Kampagne nicht mehr läuft. Ihr könnt noch bis zum 15. März 2017 auf Indiegogo mitmachen und das Buch vorbestellen. Es wird im Herbst erscheinen und zwar auf Englisch.

Hier das Crowdfunding Video:

WOODS – making stories from making stories on Vimeo.

Und hier noch drei Links, falls Ihr mehr wissen möchtet.