Mimi: 2-farbige Mütze mit geometrischen Blumenmuster

Ist eine Weile her, dass ich hier etwas gepostet habe. Der Sommer war lang und schön, und da ich seit geraumer Zeit eine 40-Stunden-Woche habe, ist die deutsche Version dieses Blogs etwas auf der Strecke geblieben. Aber ich kann euch heute ein neues Design zeigen. Es ist Herbst, Mützen stricken ist angesagt. Darf ich vorstellen, hier ist mein neues Mützendesign, Mimi.

Mimi Mütze - eine Strickanleitung

Mim MützeIch habe gleich zwei Versionen gestrickt, weil es so viel Spaß gemacht hat. Und vermutlich werde ich für unseren Weihnachtsbasar noch ein paar weitere stricken. Es geht relativ schnell.  Mimi hat ein längeres Bündchen mit einem netten Detail aus überkreuzten Maschen. Damit es von Anfang an etwas spannender wird. Uns Farbmuster mag ich sowieso am liebsten.

Während dankenswerter Weise freundliche Instagramfreunde die Anleitung vor Veröffentlichung getestet haben, war ich mit Freunden in den nahen Vogesen wandern. Eine gute Gelegenheit meine Real-Life-Freundinnen Elke und Julia zu überreden, die Mützen zu modeln. Danke, Elke und Julia, ich finde, die Bilder sind super geworden!

Die Anleitung und weitere Details zu Wolle, Nadeln und Designa gibt es in englischer Sprache auf Ravelry.

Mehr Bilder der Wanderung in der englischen Version.

 

Summer Breeze Stricktuch

Ein langer Spaziergang am Meer? Oder ein etwas kühlerer Sommer Abend? Hier ist die ideale Begleitung. Summer Breeze – ein gestricktes Tuch, das lange genug ist, es um den Hals zu wickeln, wenn es kälter ist. Und breit genug, es einfach über die Schulter zu werfen.

Summer Breeze Stricktuch Summer Breeze

Das Muster ist ein Mix aus Lace und Rippenstrick. Nichts für ungeduldige Stricker, zumal ich es in Lacegarn mit dünnen Nadeln gestrickt habe. Aber es lohnt sich. Das Tuch ist, seit ich es fertig gestellt habe, mein ständiger Begleiter. Liegt auch an dem supergenialen Garn, mit dem ich es gestrickt habe. Dazu mehr weiter unten.

Danke an dieser Stelle an meine Freundin Michi, die normalerweise hinter der Kamera steht für den Ausflug und die Yogapose auf dem Steg. 🙂

Michaela Reinhard Summer Breeze Stricktuch

[Werbung] Summer Breeze: Mit Yarn Support von The Fibre Co.

Summer Breeze ist ein Design, das ich für das Yarn Support Programm von The Fibre Co. entworfen habe. Ich habe mich gefreut wie Bolle, dass mein Design ausgewählt wurde und ich das Tuch mit dem einfach wunderbaren  Meadow stricken durfte.

Für das Yarn Support Programm sucht The Fibre Co. zwei Mal im Jahr Indie Designer, die gerne einen Entwurf mit bestimmten Garnen stricken wollen. Ich habe einen Entwurf gepitcht, wurde ausgewählt und bekam den Vorschlag, das Tuch mit Meadow zu stricken. Eine geniale Idee, weil das Garn einfach nach dem Waschen und Spannen wunderbar gefallen ist. Und die Materialwahl war einfach genau richtig für den Schal, wie ich ihn mir vorgestellt habe: weich und warm wegen Merino- und Babylama- Fasern. Und gleichzeitig auch kühl und glänzend wegen Leinen- und Seide-Anteil im Garn.

Das Yarn Support Programm ist eine tolle Sache. Zwar gibt es dafür kein Geld, aber für mich war eins einfach eine Anerkennung meines Designs. Und eine gute Gelegenheit mit einem nicht ganz günstigen Garn zu stricken. Außerdem durfte ich das Design im Blog von The Fibre Co. vorstellen und habe auch etwas mehr Öffentlichkeit zu bekommen.

Der Post hat eine Werbekennzeichnung, da Markennennung. Der Transparenz wegen sei gesagt, dass es nicht Bestandteil des Yarn Support Programms ist, ein Blogpost zu veröffentlichen oder das Garn zu besprechen. Alles meine Meinung und meine Initiative und die entsprechenden Veröffentlichungen hier und auf Instagram dienen in erster Linie dazu, meine Arbeit zu zeigen. Denn nur, wenn jemand die Anleitung in meinem Ravelry Store kauft, wird meine Arbeit bezahlt. Was mich sehr freuen würde!

Darum: Summer Breeze Anleitung und weitere Infos wie immer auf Ravelry.

 

 

 

 

Tutorial: Baumschmuck aus Papier basteln

Fotocredit: https://www.instagram.com/saschamarkus/

Basteln! Geht bei mir eigentlich gar nicht. Vor allem, wenn Kleber mit dabei ist. Keine Ahnung, ich hab kein Problem, geduldig die kompliziertesten Muster beim Stricken auszuprobieren, aber wenn es darum geht, zu basteln, kriege ich fast immer eine Krise. Die schlimmsten Stunden meiner Bastelkarriere waren beim Laternenbasteln im Kindergarten. Von wegen gemütlich: Der Plan mit Keksen und Tee mit den Kindern gemeinsam etwas zu  basteln ging bei mir nie nicht auf. Kleber überall, ungeduldige Kinder, die nach 5 Minuten laut durch die Gegend marodieren, während nur der dazu gehörende Elternteil mit Klebstoff, Transparentpapier und Schere versucht, eine schöne Mottolaterne zu basteln.

Für unseren Weihnachtsbasar in unserer Ateliergemeinschaft Manufaktur der schönen Dinge wollte ich aber dann doch noch etwas schnellen Baumschmuck für unsere Birkenzweige basteln. Und zwar so schnell und einfach, wie es nur geht. Und es hat funktioniert, so gut, dass ich mich sogar zu einem Mini-Tutorial hinreißen lasse und zeige, wie Ihr ganz schnell Baumschmuck aus Papier basteln könnt.

Und das braucht Ihr für den Baumschmuck aus Papier:
  • Ein Magazin oder eine Zeitung mit schönen Bildern. Ich habe eine alte Flow genommen. Die ist auf gutem Papier gedruckt, mit interessanter Typo und schönen Fotos und Illustrationen.
  • Einen Fisheye Circle Cutter. Das ist ein Papierschneider, der runde Papierstücke ausschneidet
  • Washi-Tape
  • Bindfaden
  • Eine Unterlage zum Schneiden

Fisheye Cutter

Sucht Euch aus der Zeitschrift optisch spannende Stellen aus. Zum Beispiel mit einer Typografie, die euch gefällt. Oder mit ganzen und halben Bildern, Textblöcken, Überschriften oder einzelnen Wörtern. Schneidet sie mit dem Cutter aus. Meine Papierkreise haben 8 cm Durchmesser.

Baumschmuck aus Papier basteln

Dann schneidet Euch den Bindfaden zurecht, legt ihn doppelt zusammen und klebt ihn mit den beiden offenen Enden mit einem Stück Washi-Tape auf den ausgeschnittenen Papierkreis.

Und schon ist er fertig, der schnelle Baumschmuck aus Papier. Nur noch an die Zweige hängen, vielleicht eine Lichterkette dazu und fertig ist die Deko.

Baumschmuck aus Papier basteln

Die Deko ist nicht zwingend für nur für Weihnachten. Die lassen wir jetzt mal eine Weile hängen. So schnell komme ich sicher nicht wieder in Bastellaune.

 

 

 

 

Mütze mit Blattmuster im Fairisle Style zum Nachstricken

Blatt hat

Diese Mütze mit Blattmuster ist schnell fertig. Sie wird mit dicker Wolle und Nadelgröße 4,5 mm gestrickt. Gut für Stricker und Strickerinnen, die sich an ihr erstes Projekt im Fairisle Stil heranwagen wollen.

Genau die richtig Mütze für einen Spaziergang im Herbst

Mütze im Blattmuster

Wer will, macht eine Bommel dran. Bei der Mütze unten habe ich für das Einstrickmuster rote, pinke und melierte Wollreste aufgebraucht und einen Verlauf ins Muster gestrickt.

Das Muster hat so viel Spaß gemacht, dass ich gleich fünf Stück gestrickt habe.

Wenn ihr jetzt Lust habt, das Muster nachzustricken, ihr findet es in meinem Ravelry Store (nur auf Englisch). Der Name ist Blatt. Liegt auf der Hand, dachte ich.

Mütze zum Nachstricken – Ein schnelles Projekt mit Novita Garn

Muetze im Norwegermuster stricken

Im April war ich auf der H+H Cologne und bewunderte am Stand von Novita die tollen Strickjacken mit Norwegermuster. Vor drei Wochen kontaktierte mich das finnische Unternehmen mit der Frage, ob ich Interesse an einer kleinen Kooperation hätte und ihre Garne gerne mal testen möchte. Ich habe mir erst einmal angesehen, was Novita so an Garnen anbietet. Und  wo diese herkommen. Novita hat viele Mischgewebe im Angebot, darunter viele Garne mit Kunstfaser. Damit stricke ich nicht gerne. Und tragen mag ich die auch nicht. Sockengarne sind da eine Ausnahme, da schadet ein wenig Nylon nicht. Obwohl es da ja auch mittlerweile gute Alternativen gibt. In letzter Zeit habe ich öfter Fasern mit Bambusbeimischung in den Händen gehabt.

Jedenfalls habe ich mir die Qualität Nordic Wool ausgesucht. Laut Novita kommt die Wolle zu fünfzig Prozent aus Skandinavien, vor allem aus Norwegen. Die anderen fünfzig Prozent aus Großbritannien. Alles aus Europa, das ist mir wichtig, wegen Mulesling und so. Verarbeitet werden, neben anderen, die Vliese von Shropshire, Hampshire und Dorset Down Schafen. Die gibt eine passable Auswahl an Färbungen. Alle Farben sind schön gedämpft, ganz nach meinem Geschmack. Ich habe mich für die Farben Stein, Granatapfel, Safrangelb und Wasserblau entschieden. Vor meinem geistigen Auge entsteht sogleich eine Mütze mit Jacquardmuster.

Muetze Jacquardmuster strickenDie Anleitung für die Mütze habe ich in meinem Ravelry Shop veröffentlicht. Obwohl die Mütze in vier Farben enthält, ist das Muster recht einfach. Nur an einer Stelle wird mit drei Farben gleichzeitig gestrickt. Ganz gut für Leute, die einmal die Jacquardtechnik ausprobieren möchten. Mit Nadelstärke 3,5 oder 4 ist die Mütze ruck, zuck fertig. In das Bündchen habe ich zusätzlich kleine Zöpfe eingestrickt.

zwei TIPPs für Mützenstricken im Jacquard-muster
  1. Ich benutze für Mützen mit Farbmuster eine kurze Rundnadel bei der das Seil und Nadeln zusammen eine Länge von 50 cm haben. So haben die Fäden, die hinter der Arbeit verlaufen in der Regel automatisch die richtige Spannung: nicht zu stramm, aber auch nicht zu locker.
  2. Wichtig für ein gleichmäßiges Muster ist, dass die Farbe für das Muster immer als Vordergrundfarbe geführt wird. Das heißt, der Faden liegt unter dem der Hintergrundfarbe. Wenn Du zweifarbige Muster mit beiden Händen strickst, liegt die Vordergrundfarbe auf der linken Hand, die Hintergrundfarbe auf der rechten Hand.

Die Novita Nordic Wool ließ sich gut verarbeiten. Die fertige Mütze erhielt als Finish ein Wollbad mit milder Seife. Das hat ihr definitiv gut getan, das Gewebe ist aufgeblüht und die Wolle wurde weicher.

Ich habe mittlerweile drei davon gestrickt, eine davon zweifarbig in „grellow“ (wäre hier die deutsche Übersetzung eigentlich „grelb“?). Ich hatte noch einen Rest in grau von meiner Lanes Jacke, der von der Stärke her genau gepasst hat. Was mach ich jetzt nur mit den vielen Mützen? Weihnachtsgeschenke?

Muetze im Norwegermuster stricken Novita

(Der Vollständigkeit halber: Die Wolle wurde mir kostenlos und ohne Bedingung zur Verfügung gestellt).

Dachbodenfund: Handgestrickte Pullis aus den 80zigern

Wenn mein 19-jähriger Sohn sich in einer unbewohnten Mansarde einrichten will, bevor er dann bald endgültig auszieht, schlage ich ihm das natürlich nicht ab. Auch wenn besagte Mansarde jahrelang als Abstellkammer benutzt wurde. Und es dort logischerweise jede Menge zu räumen. Gibt. Zusammen haben wir das in der letzten Woche in Angriff genommen. Was sich dort alles fand! Dinge, an die ich mich erinnere. Dinge, die ich längst auf dem Müll wähnte. Und Dinge, von denen ich schlicht nicht wusste, sie jemals besessen zu haben. Mein Sohn und ich öffneten jede Menge Kisten. Es war staubig und lustig. Es war auch rührend. Zum Beispiel, als ich meine alten Schreibhefte aus der Grundschule gefunden habe und er meinte: „Die kannst du jetzt ja wohl auf keinen Fall wegwerfen. Wir finden einen Platz.“

Natürlich fanden wir alte Klamotten. Das ist immer eh immer spannend. Eine alte Lederjacke, ein lila Schurwoll-Kostüm von Benetton mit Schulterpolstern. Ich glaube, ich trug es bei meinen ersten Bewerbungsgesprächen. Und dann fanden wir sie:  Handgestrickte Pullover aus den 80zigern.

Drei von vielen. Drei, die überlebt haben. Drei Stück, gestrickt zu Schul- und Studienzeiten, und zwar auch im Unterricht. Ja, es gab tatsächliche Zeiten, in denen Lehrer und Dozenten dies tolerierten. Ein Bruchteil meiner unzähligen selbst gestrickten Pullover. Die meisten lagerten bei meinen Eltern im Keller, dort sind sie entweder irgendwann in der Altkleidersammlung gelandet, oder der letzten Kellerüberschwemmung zum Opfer gefallen. Sehr schade eigentlich.

Strickpullis aus den 80zigern: Oversized

Die guten alten Teile aus den 80zigern. Alle oversized, mit überschnittenen Schultern und superweiten Ärmel. Habe ich die wirklich getragen? No shame, ich zeig sie Euch jetzt.

Der Streifenpulli hier was ganz Besonderes. Jedenfalls für mich, denn es ist der allererste Pullover, den ich jemals gestrickt habe. In Runden, aus einer Mohair-Acrylmischung. Ich schätze mal, da war ich 15 oder 16. Das Muster war entweder aus der Freundin oder der Brigitte, die haben mir das Stricken beigebracht. Der Pulli ist noch gut in Schuss nach all den Jahren und ich überlege, ob ich den wohl tragen kann.

Der Pullover im Hahnentritt-Muster muss ein Geduldsspiel gewesen sein. Riesengroß mit Rollkragen. Ziemlich dick, weil er mit Sportweight Garn gestrickt ist. Tragen konnte man den wurde er nur im Winter, wenn es so richtig kalt war. Er dürfte Ende der 80er entstanden sein. Damals wusste ich noch nicht, dass es beim mehrfarbigen Stricken dominante Farben gibt. Offensichtlich habe ich es intuitiv richtig gestrickt. Die Ärmel und das Vorder- und Rückenteil ab den Ärmeln sind in Hin- und Rückreihen gestrickt. Muss nervig gewesen sein mit der Fadenführung. Mein Sohn hat ihn für das Foto angezogen. Ich finde er kann ihn tragen.

Strickpullis aus den 80zigern Hahnentritt

Dieser Pullover mit Aranmuster ist eigentlich wunderschön. Eigentlich. Er ist leider aus einem grässlichen Acryl-Mix-Garn gestrickt. Warum bloß? Da steckt so viel Arbeit drin, wie bin ich auf die Schnapsidee mit dieser seltsamen Garnqualität gekommen. Und er hat noch ein zweites Problem: wirklich megaweite Ärmel. Im Ernst, war das wirklich modern, oder war es nur ein Strickfail meinerseits? Schade, schade, eigentlich ein Klassiker.

ZEIGT her Eure Pullis!

Habt ihr auch welche? Eigentlich würde ich jetzt gerne von Euch, die Ihr in den 80zigern auch schon gestrickt haben, auch mal gerne was sehen. Wie wär’s Ihr postet die Vintageteile auf Euren Instagram Accounts. Hashtag #80tiesknitwear. Zeigt Sie doch bitte auf Euren Blogs mit Backlink. Oder Ihr teilt sie mit mir auf meiner Facebookseite. Würde mich freuen. Los, ran an die alten Schränke!

In der Goldschmiede: Einen Ring selber schmieden

Wool and Good Company

Der Untertitel dieser Website lautet „Ein Blog über Stricken, Textiles und andere schöne Dinge“. Bisher habe ich mich mit Themen rund um Stricken und Wolle beschäftigt. Heute ist zur Abwechslung mal etwas anderes Schönes an der Reihe: Schmuck. Und zwar selbst geschmiedet.

Zu meinem letzten Geburtstag habe ich eines der liebenswertesten Geschenke ever bekommen. Und das, obwohl ich dafür einige Stunden arbeiten musste. Petra betreibt neben ihrem Job eine kleine Goldschmiede-Werkstatt. Sie hat mich dorthin an einem verregneten Sonntag eingeladen. Überraschung: Ich sollte mein Geburtstagsgeschenk selbst herstellen, d.h. ich durfte mir einen silbernen Ring entwerfen und schmieden. Unter ihrer fachfraulichen Schritt-für-Schritt-Anleitung habe ich einen ganzen Nachmittag lang gebogen, gehämmert, gesägt, gefeilt, gelötet, geschliffen und poliert.

 

GoldschmiedeAuf dem Foto oben bekommt mein neuer Ring den letzten Schliff. Die Kanten werden geglättet, damit sie schön glänzen. Unglaublich, was in einem so kleinen Teil für eine Detail-Arbeit steckt.

Das Ganze hat mir einen Riesenspaß gemacht. Und ich finde das Ergebnis kann sich sehen lassen ;-). Ich werde jedes Mal sehr froh sein, wenn ich den Ring trage, DIY rules!

Und hier sind noch einige Bilder von Petras Arbeiten. Leider hat sie keine Webseite, auf die ich verlinken kann. Sollte die eine oder der andere Interesse haben, könnt ihr mir einfach eine Mail schicken, ich stelle gerne den Kontakt her.

 

 

 

 

Saar Alpaka: Einfach einen Gang runter schalten

Alpaka-Fohlen

Auf meinen Touren im Saarbrücker Naherholungsgebiet Almet bin ich schon oft an Saar Alpaka vorbei geradelt. Da ich als Bloggerin professionell neugierig sein darf, habe ich nachgefragt, ob ich bei der jährlichen Schur dabei sein darf, um ein paar Fotos zu machen.

Christiane Groß und Rainer Frenkel betreiben Saar Alpaka seit 2009. Angeschlossen ist ein kleiner aber feiner Hofladen, in dem man viele Produkte, vom Garn bis zum Pullover, aus Alpakawolle kaufen kann.

Im Mai war es dann so weit. 47 Alpakas wurden in zwei Tagen geschoren. Zugegeben, das Scheren ist nicht für alle Tiere völlig stressfrei, aber es ist unbedingt notwendig. Das Fell ist extrem warm. Dafür sind die Inkas verantwortlich, diese züchteten das Alpaka schon vor Jahrtausenden wegen ihres weichen, warmen Fells.

Die meisten Tiere, wie hier die Stute Tinkerbell, haben die Schur gelassen ertragen.

Thor Saar-Alpaka - Foto Sabine Frisch

Für Thor ein wichtiger Tag: Die erste Schur und danach Abschied nehmen von der Mutter und der Stutenweide. Ab sofort behauptet der kleine Hengst sich auf der Männerwiese.

Dieses Jahr war es im Mai bereits recht heiß und die Tiere schienen sehr glücklich, das warme Fell endlich los zu sein. Mit der neuen Frisur war erst einmal entspanntes Grasen auf der sonnigen Weide angesagt.

Saar-Alpaka: Foto Sabine Frisch

Während die geschorenen Alpakas relaxen, geht für Christiane und Rainer geht die Arbeit mit den Vliesen weiter, denn diese werden nun weiter gereinigt. Grashalme und gröbere Unreinheiten, die nicht schon vor dem Scheren herausgepustet wurden, werden beseitigt.

Die Proben der Alpakafasern werden vorher in ein Labor geschickt, um die Mikronzahl und den Komfortfaktor zu bestimmen. Anschließend überlegt Christiane, welche Vliese zusammen versponnen werden. Bei der Entscheidung spielen sowohl Farbe als auch die Feinheit des Vlieses eine Rolle. Manchmal sind es drei oder vier Vliese, die zusammenpassen, manchmal wird auch nur das Vlies eines einzelnen Tieres weiterverarbeitet.

Das Vlies wird in eine Wollmühle in Süddeutschland geschickt, die auch kleinere Mengen annimmt. Dort wird das Vlies gewaschen, kardiert und zu Garn gesponnen.

Zurück kommt es naturbelassen (ohne Superwash-Ausrüstung und ungefärbt) auf großen Konen, gesponnen in einer DK-Stärke und in den Qualitäten Royal-Alpaka (Mikronzahl unter 19) und Baby-Alpaka (unter 23 Mikron). Christiane wickelt diese auf 50 gr Knäuel. Auf der Banderole stehen die Namen der Lieferanten: Angelo, Inti, Casanova, Leo, Rosi, Estella … eine besonders schöne Idee von Saar Alpaka, so weiß man ganz genau, welches Tier, das gerade draußen auf der Wiese grast, für das wunderbare Garn verantwortlich ist. Und vielleicht kann man sich mit einem Leckerli bei ihm für das tolle Garn bedanken. 😉

Die 47 Saar-Alpakas haben 2017 eine Ernte von rund 55 kg Vlies erster Qualität geliefert. Spitzenreiter war in diesem der Hengst Leo, der 1,8 kg Vlies erster Qualität lieferte.

Der weiße Alpaka-Hengst Angelo landete in Sachen Vlies auf Platz 2 mit immerhin 1,2 kg Vlies in erster Qualität.

Crimp - Alpaka Vlies. Foto: Sabine Frisch

Hier im Bild ist Angelos Vlies zu sehen, besonders deutlich der sogenannte Crimp, die Kräuselung der Faser, die von einer besonders hohen Qualität zeugt.

Nicht das komplette Vlies wird von der Wollmühle versponnen. Christiane und Rainer haben jedes Jahr Nachfragen von Handspinnern. Diese reservieren die Vliese bestimmter Tiere bereits im Voraus. Wer im Oktober Garn von Hengst Casanova haben will, muss sich beeilen. Er ist das einzige graue Tier auf der Farm und sein Vlies erfreut sich großer Nachfrage. Ein großer Teil seines Garns ist bereits reserviert.

TATAMIAS Umstyling
Alpaka Estella: Foto Sabine Frisch

Tatamia vor dem Umstyling mit Retro-Pilzkopf.

Alpaka Estella: Foto Sabine Frisch

Nach dem Umstyling: Tatamia mit  Short-Pony für einen freshen Sommerlook.

Nachhaltigkeit im SAAR-Alpaka Hofladen

Christiane lässt auch eine Sockenwolle spinnen. Diese hat einen Anteil von 20 % Bambusfaser mehr Widerstandsfähigkeit. Bambus statt Nylon und ohne Super-Wash-Ausrüstung, eine nachhaltige Entscheidung. Ich darf mir zwei Knäuel mitnehmen und entwerfe im Geiste bereits ein Muster für ein rustikales Paar Socken, das ich demnächst mit Sicherheit anschlage.

Saar Alpaka verarbeitet nicht nur die 1. Qualität. Aus der 2. Qualität werden warme Sitzauflagen gewebt. Außerdem verwendet man das Vlies für eine warme Füllung für Steppdecken. Und es wird darauf Seife hergestellt. Das Ziel des Saar-Alpaka-Teams ist es, das komplette Vlies zu verwerten.

Christiane und Rainer haben oft Schulklassen auf dem Hof. Die beiden erklären den Kindern jeden Schritt vom Alpaka zum Pulli. „Damit die Kids mal verstehen, was hinter ihrem Kleidungsstück steckt“, meint Christiane. Dass es eigentlich nicht möglich ist, einen gestrickten Alpakapulli für 19,90 Euro bei Primark oder H&M zu kaufen. Sondern, dass eigentlich ein längerer, langsamer, aber schöner Prozess dahintersteckt.

Wer Interesse an der Wolle von Angelo, Estella, Casanova, Leo und den andern Saar-Alpakas hat, kann Christiane und Rainer über deren Webseite Saar-Alpaka kontaktieren. Wer in der Gegend ist, einfach im Hofladen vorbeischauen. Empfehle ich dringend.

[Anfang Juli war ich erneut bei Christiane und Rainer, um noch eben schnell ein paar Fotos zu machen und ein paar Fragen zu stellen, die die Grundlage für diesen Beitrag sind. Tja, schnell geht hier gar nichts, denn die Ruhe der Alpakas und Lamas auf der Weide übertragen sich sofort auf mein Gemüt. Ich merke, wie ich völlig nebenbei einen Gang runterschalte. Dazu muss ich normalerweise eine Stunde Yoga machen. Nachdem Christiane meine Fragen beantwortet hat, bot sie mir an, mich doch mit dem Liegestuhl auf die Wiese zu setzen. Mit Leckerlis für die Tiere und um vielleicht ein paar Fotos zu machen. Vier Stunden später war ich immer noch da. Einmal hier will man nicht mehr weg. Jedenfalls nicht an einem warmen Julisonntag. „Passiert öfter“, meint Rainer trocken. Denk ich mir: Ein Tag am Strand ist nichts dagegen. Wer hier in der Gegend ist und einmal die therapeutisch, entspannende Wirkung der Alpakas und Lamas ausprobieren möchte, dem sei eine Wanderung mit diesen empfohlen.]

Bei meine zweiten Besuch gabe es Alpaka Nachwuchs. Teresita 3 Tage alt.

Und Athos, eines der 3 neugeborenen Musketiere bei Saar Alpaka.

Kuschel-Alpakas zum Mitnehmen.

Ach ja, Lamas gibt es hier auch – und die sind besonders neugierig.  Melody (rechts) steht auf Selfies.

Quellen und weiterführende Links:

Website von Saar Alpaka 

Facebookseite von Saar Alpaka

 

New Lanark Mill – Soziale Utopie und Wolle

Wolle aus New Lanark

Ich scheine im ersten Halbjahr 2017 auf spontane Trips nach Schottland abonniert zu sein. Nachdem ich im März in Edinburgh war, um das Edinyarnfest zu besuchen (die Fotos seht Ihr hier), stand im Mai habe ich im Mai meine Freundin Marilena nach Glasgow begleitet. Sie tanzt Swing und Shag – und die Community ist offensichtlich genauso nerdig wie wir StrickerInnen. Auch hier wird kein Weg gescheut, um Gleichgesinnte auf Festivals zu treffen. Anlass der Reise war daher in erster Linie das Glasgow Shag Festival. Während also Marilena Shag tanzte, überlegte ich mir ein wolliges Begleitprogramm.

New Lanark ist eine industrielle Mustersiedlung, ungefähr eine Stunde von Glasgow entfernt und gut mit dem Zug zu erreichen. Sie ist seit 2001 zu den UNESCO Weltkulturerbe. Meine Motivation zur Besichtigung war natürlich doppelt so groß, weil man dort live erleben kann, wie Garn gesponnen wird. Garn-Shopping inklusive.

New Lanark Mill - Foto Sabine Frisch

New Lanark: Eine soziale Utopie wird Wirklichkeit

New Lanark Mill ist eine ehemalige Baumwollspinnerei, die in den Jahren 1800 bis 1825 dem Sozialreformer Robert Owen gehörte. Er setzte dort seine sozialen Utopien für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen in die Wirklichkeit um.

New Lanark liegt in einem wunderschönen Tal am River Clyde und ist definitiv als Ausflugsziel für die ganze Familie geeignet. In New Lanark wird besonders der Alltag der Arbeiterkinder des 19. Jahrhunderts eindringlich geschildert. Bevor Owen seine Reformen in der Baumwollspinnerei einführte, hatten diese oft einen langen Arbeitstag. Sie wurden geschlagen und angeschrien.

River Clyde New Lanark - Foto Sabine Frisch

Robert Owen erließ ein Arbeitsverbot für Kinder unter 10 Jahren (nach heutigen westlichen Standards immer noch undenkbar). Er eröffnete eine Schule, in der körperliche Strafen verboten waren. Die Arbeiterkinder wurden in Fächern wie Kunst und Musik unterrichtet. Für Kinder ab 18 Monaten gab es eine Kinderkrippe, d. h. die Mütter konnten bald wieder arbeiten gehen.

Owen reduzierte die Arbeitszeit der Kinder über 10 Jahren und sorgte somit dafür, dass die Kinder und Erwachsene, die in der Spinnerei arbeiteten, nach der Arbeit zur Schule gehen konnten. Generell reduzierte er die Arbeitszeit seiner Arbeiter auf 10,5 Stunden, üblich waren zur damaligen Zeit 14 Stunden und mehr.

Robert Owen gilt als Gründer der Genossenschaftsbewegung. Er kaufte hochwertige Lebensmittel en gros und konnte diese so zu besseren Preisen an seine Arbeiter verkaufen. Außerdem baute er Häuser, die er günstig vermietete. Damit sanken die Lebenshaltungskosten für die Arbeiter. Trotz Anfangsschwierigkeiten und Widerständen schaffte er es, durch die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, die Motivation der Arbeiter zu steigern und Produktivität der Spinnerei zu erhöhen. Im Jahr 1825 verkaufte er New Lanark, um in den USA mit dem Projekt New Harmony noch einen Schritt weiter zu gehen.

Die Spinnerei in New Lanark wurde 1968 stillgelegt und verfiel. In den 1980er Jahren wurde New Lanark als Museum wieder aufgebaut. Seit 2001 zählt es zu den Weltkulturerben der UNESCO.

Besichtigung der Spinnerei

New Lanark Mill - Bild: Sabine Frisch

Heute wird in der Spinnerei keine Baumwolle mehr gesponnen, sondern das Vlies von Schafen. Und zwar auf einem traditionellen Wagenspinner aus dem 19. Jahrhundert. Bei der Besichtigung kann man zusehen. New Lanark Wool und Textiles spinnt Aran, Chunky und DK Garne. In der Regel reine Wolle, aber es gibt auch ein weiches Tweedgarn mit Seide.

Garnspulen New Lanark Mill - Foto: Sabine Frisch

Im angegliederten Laden kann man die Wolle gekauft werden. Traditionell hergestellt, wollig weich und preislich sehr fair (ganz im Sinne Robert Owens). Klar, dass ich mir da einige Souvenirs mitnehmen müsste.

Yarn Cones New Lanark - Foto: Sabine Frisch

Quellen und weiterführende Links:


Deutschlandfunkkultur: Ein Kämpfer für soziale Ziele

Wiener Zeitung: Ein philantrophisches Paradies

Webseite New Lanark 

Britannica: Robert Owen (engl.)

Kate Davies Blogpost on New Lanark (engl.)

 

Im Doppelpack: Sneakersocken.

Sneakersocken

Hier war es in letzter Zeit etwas ruhiger. Das liegt einmal daran, dass ich ein paar Tage in Urlaub war. In Schottland. Ehrlich gesagt, hier bin Euch noch einen Blogbeitrag schuldig, ich habe dort u.a. New Lanark besucht, natürlich nicht ohne Wolle zu kaufen. Der Beitrag ist definitiv in meiner Pipeline. Aber erst einmal werde ich umziehen. Und das ist der zweite Grund, warum mein Blog etwas brach liegt. Ich renoviere gerade meine Wohnung, bin also mehr am Streichen, als am Stricken oder Schreiben. Vielleicht ist mir die Herausforderung, aus einem typischen Altbau-Bad-Schlauch von 4,40 m x 1,10 m einen Duschtempel zu machen, einen separaten Beitrag im Blog wert. Mal sehen, wie das Ergebnis ist. Auf Instagram werde ich in jedem Fall Stories dazu machen.

Ein bisschen habe ich allerdings doch gestrickt, Sneakersocken nämlich. Zwei kleine, aber feine Projekte. Und die will ich Euch heute hier zeigen.

Daisiez: Sneakersocken im Vintagelook

Sneakersocken wirklich ruck zuck fertig. Und man braucht knapp 40 g Sockenwolle. Schaut mal nach, ob ihr noch einen passenden Rest habt. Die Sneakersocken Daisiez sind von der Zehenspitze an gestrickt, mit einem recht einfach zu merkenden Ajourmuster. Die Ferse ist mit verkürzten Reihen gearbeitet und ist hinten etwas höher. Ein Effekt, den ich ebenfalls mit verkürzten Reihen erreiche. Der Vorteil: Die Socken rutschen in den Sneakern nicht. Ein Picotsaum bildet den Abschluss. Ich habe meinen genäht, weil es mir nichts ausmacht, am Ende zur Nadel zu greifen. Aber du kannst ihn genauso gut anstricken.

Daisiez – luftige Spitzensöcken im Vintagelook mit Picotsaum.

LilakS: In form mit MESH

Das zweite Paar Sneakersocken heißt Lilaks und ist in der gleichen Art gearbeitet, d.h. angefangen wird bei der kurzen Spitze. Es ist in einem sportlichen Mesh-Muster gearbeitet, das super einfach zu stricken ist. Auch bei Lilaks ist die Ferse für eine bessere Passform höher gearbeitet. Ein simpler Kniff, den ich in Zukunft bei solchen Socken immer nutzen werde. Das geht auch mit normalen Bündchen.

Lilaks – Sneakersocken mit sportlichen Mesh- bzw. Netzmuster.

Ich gebe zu, bei den tropischen Temperaturen, die momentan hier in Deutschland herrschen, werde ich selbst diese luftigen Socken nicht tragen, sondern nach Möglichkeit barfuß gehen. Aber ich finde, die Söckchen sind ein absolutes Urlaubsprojekt. Sie nehmen definitiv nicht viel Platz in der Strandtasche weg ;-). Und das Muster ist eingängig, mit ein bisschen Übung kann man die Anleitung zu Hause lassen.

Lilaks oder Daisiez? Mesh oder Ajour? Logischerweisen bin ich der Meinung: im Doppelpack. Die Anleitung ist ab sofort auf Ravelry zu haben. Momentan leider nur in englischer Sprache. Ich hoffe, ich schaffe es, zeitnah nach dem Umzug die deutsche Anleitung zu liefern. Dann stricke ich selbst noch ein Paar.

Übrigens hat Rebekka aka @queenofwhatever Lilaks gestrickt und in Ihrem Blog Queen’s Handmade darüber geschrieben. Danke dafür!